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Tee Eins!

In Leben eines jeden Mannes kommt irgendwann der Punkt, an der er sich eine bestimmte Frage stellen muss. Es ist nicht die Frage, ob zu den früheren Werken Madonnas zu tanzen schwul ist. Auch nicht die Frage, ob man die Socken auszieht oder noch einen Tag lang das Risiko des Zerbrechens eingeht. Erst recht nicht die Frage, ob es nicht viel einfach wär einfach ins Waschbecken zu pinkeln.

Es ist viel mehr die Frage, wie zur Hölle man zum nächsten Kreiswehrersatzamt kommt.

So auch bei mir. Musterungsbescheid erhalten, alle möglichen Horrorszenarien im Internet durchgelesen. Von siebenstündiger Wartezeit bis Analfisting war alles dabei, für jeden etwas also. Voller Vorfreude machte ich mich also auf den Weg. Auf Rat meines Zweitnamensvetters und meiner eigenen Erstvernunft entschied ich mich, meine DS und ein nicht allzu gutes Buch mitzunehmen, um die Langeweile während der beträchtlich langen Wartezeit effizient zu überbrücken.

Also stand ich heut morgen pünktlich um halb sieben unter der Dusche, saß um acht im Auto, auf dem Weg nach Mönchengladbach, bereit, der Welt zu zeigen, was für ein knallharter Wehrdienstverweigerer ich doch bin.

Also meine Autofahr-CD für dieses Mal (Light my fire in tausend verschiedenen Versionen) eingelegt, Licht und Scheibenwischer an und los geht's. Durch den Regen, der mir die Sicht erschwerte, kämpfte ich mich nun erfolgreich durch bis an meinen Zielort, Mönchengladbach. Sowas cooles wie ein navi habe ich nämlich bisher nicht. Autobahnfahren kann ich aber sogar ohne Navi. Ich bin ein wahrer Teufelskerl.

Der schwerere Teil kam dann. Mönchengladbach war gefunden. Die Wegbeschreibung, die mir das Kreiswehrersatzamt zukommen ließ, ließ mich auch relativ schnell die nähere Nähe des Kreiswehrersatzamtes finden.

[Kreiswehrersatzamt? Das ist mir zu lang. Ich kürz es wie offiziell KWEA ab. Klingt wie irgendwas cooles. KWEA.]

Nur jetzt das Kreisw...KWEA selbst zu finden war schwerer. "Rechts in die Südstrasse abbiegen (auf der rechten Seite befindet sich der Parkplatz des Kr...fick dich, KWEA)." Ja danke, da waren eine Menge Parkplätze, an keinem stand dran wo das genau sein soll, das KWEA. Also tausendmal hin und her gefahren, bis mir der kleine, unscheinbare Parkplatz auffiel, der zum KWEA (!) gehört.

Großes, auffälliges Schild:

 

Das war nun also gefunden. Der Eingang war dann auch noch so eine Sache, aber das wäre müßig zu erzählen.

Reingekommen und im Wartebereich angelangt wird mir von der netten Dame gesagt, ich solle noch ein wenig warten. Es gab wie erwartet Komplikationen aufgrund meiner Namensänderung. Im folgenden konnte ich dann aus allen Ecken hören "Ja, der hieß vorher H****... jetzt A***..." - in einem Notstandstonfall, als hätte ich vorher BinLaden geheißen oder hätt mich jetzt in Bush umtaufen lassen. Was mich wundert am warten in diesem Wartebereich war, dass ausser mir niemand in diesem Bereich zu warten pflegte. Ich war quasi alleine. Ich bin schon in der richtigen Ecke gelandet und nicht zufällig beim Selffistingkurs für Anfänger?

Eine weitere nette Dame sagt mir, ich solle ihr in den Raum folgen. Entweder die holt jetzt Vaseline raus und sagt mir, ich solle mich entkleiden, oder sie fragt mich nach meinen Personalien. Letzteres war dann wohl der Fall.

Personalien angegegeben, Kontonummer auch (Ui, 8,30€ Fahrtkostenerstattung m/) und endlich meinen langvorbereiteten Satz "Katholisch getauft, aber ich bin Atheist" sagen dürfen. Ausserdem unterschrieben, dass ich den Wehrdienst verweiger. Damit hatte ich nun schon meine Knallhartigkeit bewiesen. Ich bin so derbe.

Weiter nun, in einen anderen Wartebereich, in dem tatsächlich schon jemand wartete. Ich setze mich, eine Tür geht auf, der bereits wartende jemand wird reingerufen. Auch wenn mich das fehlen weiterer Menschen ein wenig verwunderte, machte ich mich auf eine mehrstündige Wartezeit gefasst.

Währenddessen durfte ich folgendem Dialog aus einem der Räume lauschen:

"Herr XXXXX, beeilen Sie sich, ich muss weiter machen!"

"Ja, es kommt aber nix raus!"

"Haben Sie was zu trinken dabei?"

"Nein"

"Dann trinken Sie das hier... einmal auf ex... und das hier, auch auf ex... Dann setzen Sie sich bitte wieder draussen hin und warten, bis was kommt."

 

Kurios. Besonders als dieser Mensch dann mit drei Bechern, zwei mit Wasser gefüllt wieder heraus kam, konnte ich mir ein Grinsen nicht verkneifen. Diese beiden gefüllten leerte er hastig. Uns beiden wird wohl das gleiche durch den Kopf gegangen sein, als wenig später aus dem Raum ein Gespräch zwischen den zwei darin befindlichen Beamten ertönte:

"Neue? Ja, ich habe welche bestellt, aber die liefern momentan nicht. Müssen wir solange die hier wiederverwenden."

Die Gedanken an das, was sich alles bereits in dem Becher, die der Mensch neben mir so hastig geleert hatte, befanden hat, habe ich dann ganz schnell verdrängt.

Kurz darauf war ich dann auch schon an der Reihe. Die folgenden, nicht weiter spannenden Untersuchungen brauche ich nicht zu schildern, damit jeder die eigenen Horrorvorstellungen durchmachen darf ;D

Raus kam am Ende ein ob meiner Abstinenz und nicht vorhandenen Krankheitsgeschichte verwunderter Arzt, der mir die volle Wehrtauglichkeit bescheinigte. T1 also, wie mir eine andere Dame versicherte, der "Highscore, haben wir absolut selten, einen so guten T1". Schade, dass ich verweiger. Schade, schade.

DS und Buch waren also unnötig und ich war nach einer Stunde schon fertig. Wow.

Der Rückweg war weniger spektakulär. Wär nur fast einem von links und viel zu schnell kommenden BMW vor die Motorhaube gefahren. Tzz. Menschen gibt's.

So. Und nun sitze ich hier, es ist kurz nach elf. Toilette oder Waschbecken?


Rob

1.10.08 11:05


Vorhölle.

Scheinbar sollte ich doch überlegen, gläubig zu werden. Zwar konnte ich die irdischen Fesseln nicht ablösen, um das Anlitz Gottes zu schauen (um jetzt mal bei American Dad zu klauen), aber ich konnte heute einen Blick in die Hölle werfen. Zumindest die Vorhölle.

Für alle die auch mal Lust haben, ein wenig purgatoriale Atmosphäre zu schnuppern - die Vorhölle befindet sich in Ratingen und ist als Esprit-Outletstore getarnt.

Denn nichts anderes kann dieser Outletstore sein, wenn nicht das Fegefeuer oder zumindest ein guter Vorgeschmack auf dieses. Rastlose Seelen wandeln durch ewige Gänge, keine Zeit, ihre durch das Klamottendurchwühlen geschundenen Leiber kurz auszuruhen, da sich nirgendwo Platz dazu bietet.

Ohne meine meisterhafte Metaphorik gesprochen: Heiligemuttergottes, war das voll! Nicht nur einfach voll, nein, sondern verdammt, verdammt, verdammt, verdammt voll. Da denkt man sich, man karrt sich selbst und die dazugehörige Freundin mal entspannt nach Ratinen, vllt etwas günstiges von Esprit zu ergattern. Pustekuchen. Das obligatorische nicht-finden-weil-falsche-Ausfahrt-genommen spar ich mir jetzt mal. Ausgestiegen, reingegangen, schockiert innegehalten. Menschen über und über. Menschen, die sich ob überfüllter Kabinen auf den Gängen umzogen. Wer auf junge Frauen in Unterwäsche steht, sollte diesem Center mal einen Besuch abstatten. Oder auf alte Frauen in Unterwäsche. Und auf viele Türken.
Irgendwie ist das seltsam, das letzte Mal als ich dort war - vor ca drei Jahren - war dort fast niemand. Seltsam, seltsam, seltsam.

Das Ende der Geschichte: Wir sind nach zehn Minuten eiligem durch-die-Gänge-rennen wieder abgehauen. Ins Centro. Schön groß, viele Geschäfte, weniger Menschen.

In diesem Sinne,

 

brennt in der Hölle,

 

Rob

9.10.08 23:56



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